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Putin with Foreign Minister Lavrov before the G20 summit, July 2017. Photo: kremlin.ru. Licence: CC BY 4.0 (attribution to www.kremlin.ru required). Source: Wikimedia Commons
Putin with Foreign Minister Lavrov before the G20 summit, July 2017. Photo: kremlin.ru. Licence: CC BY 4.0 (attribution to www.kremlin.ru required). Source: Wikimedia Commons

Sergei Lawrow: der Mann, der alles vermasselt hat

Die Worte über den „Personenkult“, der ein Land zerstören kann, stammen nicht von einem emigrierten Oppositionellen — sondern von Putins eigenem Außenminister. Und sie könnten ihn weit mehr kosten als die Karriere.

„Der Personenkult ist ein Laster, das ein Land zerstören kann.“ Welchem prominenten Bürger Russlands, glauben Sie, gehört dieses Zitat?

Nein, geäußert hat es nicht irgendein geflohener Pseudo-Oppositioneller vom Typ Kasparow oder Chodorkowski. Auch kein gelenkter Oppositioneller wie Sjuganow oder Slutzki. Diese Worte gehören einem Mann, der dem Präsidenten Russlands, Wladimir Putin, so nah ist, wie man ihm nur sein kann. Einem Mann, dem er einen prominenten Platz in der Weltpolitik gab. Und schließlich einem Mann, der ihn tief enttäuscht hat. Sein Name ist Sergei Lawrow.

Die Fakultät für internationale Beziehungen des MGIMO, ein Einsatz in Sri Lanka und schließlich die Vertretung Russlands bei der UNO — im inzwischen fernen Jahr 2004 schien das die Krönung von Lawrows Diplomatenlaufbahn zu sein. Doch er erwies sich für den Kreml in einer gewichtigeren Rolle als brauchbar — als Chef des Außenministeriums.

Putin mit Außenminister Lawrow vor dem G20-Gipfel, Juli 2017. Foto: kremlin.ru. Lizenz: CC BY 4.0 (Namensnennung www.kremlin.ru erforderlich). Quelle: Wikimedia Commons
Putin mit Außenminister Lawrow vor dem G20-Gipfel, Juli 2017. Foto: kremlin.ru. Lizenz: CC BY 4.0 (Namensnennung www.kremlin.ru erforderlich). Quelle: Wikimedia Commons

Lawrows Vorzüge waren unbestreitbar — ein erfahrener Verhandler, der den Westen und seine Hinterzimmer gut kannte. Vor allem aber: Er hatte keine politischen Ambitionen. Und er begriff sehr schnell. Lawrow erfasste rasch, dass er auf der Weltbühne wie Putin zu sein hatte — charismatisch, schlagfertig und ebenso hart.

Diese Strategie funktionierte zuverlässig. Lawrow trug der Welt vor, was Putin sagen wollte, und in ebender Manier. So wechselten die Präsidenten der USA, die Regierungen Europas, die Bündnisse und die Regeln des Gesprächs zwischen den Staaten selbst. Lawrow wechselte nicht … und das wurde ihm zum Verhängnis.

Eine schwierige geopolitische Lage verlangt Flexibilität und unkonventionelle Züge. Zumal wenn man es mit den heutigen Vertretern des Weißen Hauses zu tun hat — jung, dreist und noch skrupelloser als man selbst.

Mit Männern wie Außenminister Marco Rubio.

Am 21. Oktober 2025 führte Lawrow mit ihm ein Telefongespräch, um die Bedingungen des bevorstehenden Gipfels Putin–Trump in Budapest zu besprechen. Doch für viele unerwartet empfahl Rubio seinem Chef, das Treffen abzusagen. Danach folgten US-Sanktionen gegen Rosneft und Lukoil — die ersten seit Trumps Rückkehr ins Weiße Haus.

Man muss kein Genie der Geopolitik sein, um den Schluss zu ziehen: Lawrow hat die Verhandlungen vermasselt. Sehr wichtige Verhandlungen — über das Halten der USA in Russlands Einflussorbit, woran Putin persönlich über Jahre gearbeitet hatte. Und durchaus erfolgreich, wie der Gipfel in Alaska zeigte.

Trump und Putin bei der gemeinsamen Pressekonferenz in Anchorage, Alaska, 15. August 2025. Foto: The White House. Lizenz: gemeinfrei. Quelle: Wikimedia Commons
Trump und Putin bei der gemeinsamen Pressekonferenz in Anchorage, Alaska, 15. August 2025. Foto: The White House. Lizenz: gemeinfrei. Quelle: Wikimedia Commons

Nach einem solchen Fiasko ist Lawrows Karriere als Vertreter Russlands auf der internationalen Bühne im Grunde beendet. Es ist offensichtlich, dass er nicht mehr auf den Positionen verhandeln kann, die der Kreml braucht.

Auch der Westen hat Lawrows berufliche Untauglichkeit erkannt. Die dortigen Medien nennen ihn inzwischen offen den „Antidiplomaten“ und halten ihm alles vor — die Grobheit, die öffentlichen Demütigungen, die psychologischen Spiele. Ja, diese Methoden funktionierten einmal. Aber nicht jetzt.

Das heißt: Der Westen wird mit Lawrow nicht mehr sprechen. Und Lawrow seinerseits — wird es schlicht nicht mehr können. Denn vor der Tür stehen neue Zeiten mit neuen Bündnissen, in die er nicht passt und nicht passen wird. Auch nicht auf Befehl. Seine Zeit ist abgelaufen.

Instinktiv begreift Lawrow das, kann aber nichts dagegen tun. Darum frisst ihn der Zorn. Und zwar nicht auf sich selbst, sondern — unerwartet — auf Putin, der ihm alles gegeben hat.

Schon nach seinem Scheitern mit Rubio gab Lawrow dem russischen Fernsehmoderator Wjatscheslaw Manutscharow ein Interview. Auf die Frage, welches menschliche Laster am häufigsten ein Land zerstört, antwortete der Minister:

„So banal es klingt: Es ist der Personenkult. Er kann auch ein Laster sein, wenn ein Mensch vor allem daran denkt, sich die Taschen zu füllen, während er dieses sein überirdisches Bild pflegt, die Macht zu bewahren, ‚warme Plätzchen‘ an seine Nächsten zu verteilen, klandestine, illegitime Geschäftsprojekte zu betreiben.“

Lawrow nannte Putins Namen nicht. Aber der Name stand zwischen den Zeilen. Und eine solche Dreistigkeit verzeiht der Präsident Russlands niemandem. Wäre Lawrow zuvor einfach in Rente geschickt worden, so bleibt nach solchen Worten nur zu raten, was den Chef des Außenministeriums weiter erwartet: ein Herzinfarkt, ein Unfall oder schlicht ein absurder Zufall bei einem Picknick mit tödlichem Ausgang. In jedem Fall entscheidet darüber nicht Lawrow.