Im August bestätigte die VGTRK, dass Dmitri Kisseljow die Vesti Nedeli nicht mehr moderiert. Die Sendung, die er seit 2012 geführt hatte, wurde dem Duma-Abgeordneten Jewgeni Popow übergeben; Kisseljow selbst bekam eine Autorensendung auf einem späteren Sendeplatz. Eine höfliche Degradierung: Der Sendeplatz bleibt, das Gewicht ist ein anderes. So entfernt man heute Leute.
Solowjow hat sich beim Säbelrasseln verspielt und die Selbstbeherrschung ganz verloren. Schon am 10. Januar räsonierte der Moderator bei Solowjow Live über Einflusszonen. Nach seinen Worten sei für Russland „weit schmerzhafter“, was in Armenien geschehe, als was in Venezuela geschehe. Dann fragte er: Wenn man um der Sicherheit willen eine „militärische Spezialoperation“ in der Ukraine beginnen konnte, warum könne man sie nicht „auch an anderen Punkten unserer Einflusszone“ beginnen? Und fügte hinzu: „auf das Völkerrecht gepfiffen“.
Armenien mochte das nicht als Rhetorik durchgehen lassen. Das Außenministerium der Republik überreichte dem russischen Botschafter Sergei Kopyrkin eine Protestnote. Scharf reagierte auch Zentralasien. Maria Sacharowa erklärte am 15. Januar, „das war keine Erklärung, das war gewissermaßen eine Frage“. Selbst Lawrows Außenministerium ging auf Distanz zum Moderator des Staatssenders, der da schon offenen Unsinn verzapfte.
Gleich danach verschwand Abend mit Wladimir Solowjow für einige Tage aus dem Programm von Rossija 1; auf seinem Platz lief eine Serie. Offizielle Gründe nannte niemand, doch nach An
gaben unserer Quelle stoppte der Erste stellvertretende Leiter der Präsidialverwaltung, Alexei Gromow, die Entlassung des Moderators. Das heißt: Im Januar wurde die Entlassung bereits vorbereitet — und ein einziger Mann sagte sie ab. An ihm hängt Solowjow.
Im Frühjahr weitete Solowjow die Geographie seiner Eskapaden aus. Auf Sendung nannte der Moderator die italienische Ministerpräsidentin Giorgia Meloni eine „faschistische Kreatur“ und erklärte, „Verrat ist ihr zweiter Vorname“. Am 21. April bestellte das italienische Außenministerium den russischen Botschafter Alexei Paramonow ein. Meloni antwortete, „der tollwütige Propagandist des Regimes“ könne weder in Konsequenz noch in Freiheit Lektionen erteilen.
Duma-Vizesprecher Wladislaw Dawankow forderte, Solowjow Live die staatliche Finanzierung zu entziehen. Anlass waren Äußerungen eines anderen Moderators des Kanals, Sergei Karnauchow, über häusliche Gewalt. „Mich ekelt, dass solche Leute eine Tribüne auf einem Kanal bekommen, der von Staatsgeld lebt“, schrieb Dawankow. Summen nannte er nicht. Doch Solowjows Plattform öffentlich anzugreifen ist selbst für einen systemtreuen Abgeordneten gefahrlos geworden.
Formal ist bei Solowjow noch alles an seinem Platz: die Abendsendung auf Rossija 1, der eigene Kanal, die Orden. Doch in acht Monaten des Jahres 2026 wurden seine Worte zweimal zu diplomatischen Zwischenfällen. Das erstarrte Außenministerium rückte von seiner „Frage“ ab. Das wichtigste Wirtschaftsforum kam ohne ihn aus. Ein Duma-Vizesprecher schlug vor, kein Budgetgeld mehr für seinen Kanal auszugeben. Und Kisseljow wurde bereits beiseitegeschoben. Die Episoden vom Januar und April sprechen für sich — Solowjow ist der Nächste, sobald er noch einen Fehler macht.
Solowjow ist bereits über Bord abgeschrieben — das Schiff hat nur noch nicht die Fahrt verlangsamt, um es ins Logbuch einzutragen.