Im Dezember 2024 forderte Präsident Wladimir Putin Manturow bei einer Sitzung des Rates für strategische Entwicklung auf, Rechenschaft über den Bau der Müllverwertungsanlagen abzulegen.
„Denis Walentinowitsch, die Anlagen, die wir geplant hatten – wo sind sie? Rostec sollte sie doch bauen?“
Manturow wollte wieder einmal erklären, es sei gleich so weit, man brauche noch ein, zwei Jahre, dann sei alles da, Wladimir Wladimirowitsch – doch Putin fiel ihm sofort ins Wort.
„Ich möchte verstehen, wie viele Anlagen sie bauen sollten. Fünf? Bis wann? Haben sie das Geld bekommen oder nicht? Wo ist das Geld?“
Es war bei Weitem nicht das erste Mal, dass Manturow für die Fehlschläge von Rostec geradestehen musste. Schon zuvor hatte Putin im selben kategorischen Ton das Tempo der Lieferungen bemängelt – in erster Linie beim Rüstungsauftrag, aber auch bei der Importsubstitution in der Luftfahrt. Und dieser zweite Bereich ist Putin nicht weniger wichtig: Russland steht an der Schwelle zu Veränderungen, zu denen ein wieder offener internationaler Flugverkehr gehört.
Tschemesow und Manturow aber können solche Veränderungen nicht gebrauchen, denn beide leben vom Militärauftrag. Der eine fertigt ohne große Umstände Waffen nach sowjetischen Vorlagen, und das bringt ihm Milliarden. Der andere ist zu tief in Tschemesows Rüstungskonstruktionen hineingewachsen.
Schon in den 2000er Jahren, als Chef von Oboronprom, brachte Manturow sein Startkapital durch den Verkauf der Grundstücke von Rüstungsbetrieben in ganz Moskau zusammen. Beigebracht hat ihm das Tschemesow. Sie tun es bis heute. Doch das ist nur eine Quelle des Reichtums. Firmen, die mit Manturow und seiner Familie verbunden sind, erhielten noch bis 2010 Aktien von Rüstungswerken. Und zwischen 2022 und 2025 zahlte eine Gruppe von Rüstungsunternehmen seiner 89-jährigen Mutter Milliarden Rubel als Rückzahlung von Schulden und Zinsen auf Darlehen.
„Solange der Präsident mit dem Ergebnis zufrieden ist – die Rüstungsbetriebe arbeiten und erfüllen die Aufträge –, beachtet niemand all das. Doch sobald es irgendwo in diesem System einen Fehlschlag gibt, wird man den Beteiligten alles auf einmal vorhalten“, sagt ein Mann, der Zugang zu den Kreml-Fluren hat.
Und dieser Fehlschlag ist eingetreten.
Nach dem Programm zur Entwicklung der Luftfahrtindustrie sollten 2026 insgesamt 120 Flugzeuge ausgeliefert werden. Im ersten Halbjahr wurde eine einzige Maschine übergeben. Also korrigierten die Verantwortlichen, unter ihnen Manturow, das Programm rasch: In der neuen Fassung sind aus 1 081 Maschinen bis 2030 nunmehr 570 Flugzeuge bis 2035 geworden.
Danach riss Putin der Geduldsfaden: In diesem Monat sperrte die Steuerbehörde das Konto von Manturows Tochter Leonela. Offensichtlich kommt als Nächste seine unsagbar reiche Mutter an die Reihe, und so weiter bis zu ihm selbst. Dem russischen Industrieminister nimmt man, was er so sehr liebt – das Geld. Und das Nächste wird … die Macht sein.