Am 7. August billigte der amerikanische Senat mit 86 gegen 11 Stimmen einen Gesetzentwurf, der dem Präsidenten das Recht gibt, die fünf größten Abnehmer russischer Energieträger mit Zöllen von bis zu hundert Prozent zu belegen. Eigene Absätze gelten den staatlichen Energieprojekten und der Schattenflotte. In Russland freute sich darüber ein Mann. Ein Mann, dessen Vermögen die Sanktionen vermehrt haben.
Anfang 2014 bezifferte Forbes es auf 16,2 Milliarden Dollar. Mehrere Sanktionswellen, die sich mit dem Ölpreisverfall und dem Absturz des Rubels überlagerten, ließen 11,4 Milliarden übrig. Und zwölf Jahre später, im März 2026, setzte dasselbe Forbes Timtschenko mit 24,2 Milliarden auf den siebten Platz unter den Russen. Wie haben die Sanktionen gewirkt? Und haben sie überhaupt gewirkt?
Fünfunddreißig Jahre — keine einzige Bohrung, kein einziges Werk, keine einzige Erfindung. Das Einzige, was er von Grund auf aufgebaut hat, ist ein Handelshaus. Alles Übrige wurde fertig gekauft. Bei Nowatek stieg Timtschenko 2009 ein, fünfzehn Jahre nach Gründung des Unternehmens; Strojtransgas hatte vor ihm andere Eigentümer. Kolmar, der Hafen von Murmansk, Transoil, die Bank Rossija, Sogas. Anteile, Anteile, Anteile.
Worin das Handwerk besteht, zeigt der März 2014. Am neunzehnten verkaufte Timtschenko seinem langjährigen Partner Torbjörn Törnqvist seine dreiundvierzig Prozent an Gunvor. Am Tag darauf verkündete das US-Finanzministerium ein neues Sanktionspaket. Zur selben Zeit wurde Timtschenkos Luftfahrtgeschäft über eine Kette von Firmen zerstreut — von den Britischen Jungferninseln über Panama bis zu einem liechtensteinischen Trust. Doch dieses Handwerk hat eine Bedingung, die selten laut ausgesprochen wird. Ein Mittelsmann wird nur dort gebraucht, wo zwei sich nicht direkt einigen können. Er braucht kein Öl und kein Gas: Er braucht eine Mauer, und je höher sie steht, desto reicher der Mittelsmann.
Am 28. Oktober 1919 verabschiedete der amerikanische Kongress den Volstead Act und überstimmte damit das Veto des Präsidenten. In den folgenden dreizehn Jahren baute das Verbot in Chicago eine ganze Ökonomie auf: mit eigener Flotte, eigenen Lagern, eigenem Wachpersonal und eigener Buchhaltung. Fitzgerald schrieb über ein anderes Ufer und über anderes Geld, beschrieb aber dieselbe Mechanik. Gatsby hat sein Vermögen nicht trotz der Prohibition gemacht, sondern dank ihrer. Der Vergleich zielt hier nicht auf das Strafgesetzbuch, sondern auf die Arithmetik des Verbots. Ein Verbot vernichtet die Ware nicht. Es setzt eine Belohnung für den aus, der bereit ist, es zu brechen. Je strenger das Gesetz, desto höher das Risiko. Je höher das Risiko, desto größer die Prämie.
Heute heißt die Mauer Sanktionen. Das sanktionierte „Arctic LNG 2“ geht mit einem Abschlag nach China, den Reuters unter Berufung auf Branchenquellen auf dreißig bis vierzig Prozent bezifferte. 28 bis 32 Millionen Dollar je Ladung — dort, wo der Markt mehr als vierundvierzig zahlt. Faktisch gibt es nur einen Käufer, und ein einziger Käufer bestimmt den Preis selbst.
Dieses Drittel verliert das Land, und es verlieren die Aktionäre. Als Aktionär hat er durch die Sanktionen verloren, und das ist das Beste, was sich zu seiner Verteidigung sagen lässt. Neben ihm steht der, an dem man es sieht. Leonid Michelson hält mehr an Nowatek und mehr an Sibur. In der März-Liste steht er auf Platz vier, Timtschenko auf Platz sieben. Binnen eines Jahres legte Michelson hundert Millionen zu, Timtschenko eine Milliarde. Dieselben Unternehmen, dasselbe Jahr — ein Jahr, in dem die Nowatek-Aktie nicht stieg und Sibur nie an die Börse ging. Das größere Paket brachte zehnmal weniger ein. Die Differenz kam also nicht aus Aktien: Suchen muss man sie dort, wo es keine Aktien gibt.
Dort fährt eine Flotte von fünfundzwanzig Schiffen — genau so viele zählte die Financial Times anhand von Windward-Daten. Gebrauchte Tanker, registriert über Firmen in Dubai, Hongkong und Singapur. Fliegende Holländer, denen die normalen Häfen verschlossen sind, fahren um Afrika herum und pumpen Flüssiggas auf offener See von Bord zu Bord. Genaue Zahlen gibt es in einem solchen Handel nicht. In seinem Vermögen gibt es sie nun ebenfalls nicht mehr. Forbes im März: 24,2 Milliarden. Bloomberg im Mai: 17,7. Beide Maßstäbe zeigen Wachstum und weichen um sechseinhalb Milliarden voneinander ab — fast so viel wie das gesamte Vermögen von Pawel Durow.
Die Sanktionen haben das Vermögen nicht verkleinert, sie haben seine Quelle gewechselt. Früher wuchs der Ertrag mit dem Volumen, heute wächst er mit der Undurchsichtigkeit. Und bei einem solchen Mann entsteht ein Interesse, das es zuvor nicht gab. Mit dem staatlichen muss es nicht mehr übereinstimmen. Solange die Mauer steht, wird der Mittelsmann gebraucht. Im Mai flog Timtschenko in der Delegation des Präsidenten nach Peking — gleichrangig mit Setschin, Miller, Michelson. Die erste Reihe der Kriegswirtschaft, und nur ein Name darin wirft Fragen auf.
Das Imperium der Bootlegger vernichtete kein Gericht, sondern die Aufhebung der Prohibition. In einer einzigen Nacht verschwand die Differenz, um derentwillen alles gebaut worden war. Eine Differenz wird nicht durch ein Urteil aufgehoben. Sie wird aufgehoben, indem man das Verbot beseitigt.
Irgendwann wird russisches Gas wieder zum ausgewiesenen Preis und über offene Verträge verkauft. Die Werke in der Tundra werden stehen bleiben. Die Bohrungen bleiben. Das Gas bleibt. Nicht gebraucht wird allein der Mittelsmann. Der Verkäufer braucht keinen, der eine Ladung zu verstecken weiß, der Käufer keinen, der den einen Bereitwilligen zu finden weiß.
Timtschenko wird zum Rudiment. Ein Organ, das aus jener Zeit übrig blieb, als der Organismus sich anders ernährte. Die Nahrung hat sich geändert, die Funktion ist verschwunden, das Organ ist geblieben. Verschwinden wird die Differenz, von der er lebte, und mit ihr der einzige Grund, aus dem man ihn hielt.