Der Oktober 2025 stand im Zeichen von Umbesetzungen im Verteidigungsministerium. Viele hielten sie für revolutionär – den Sessel des stellvertretenden Ministers nahm Wassili Osmakow ein. Jung und dem Militärischen fern, wurde er für die technische Entwicklung des Rüstungskomplexes zuständig.
Militäranalysten waren begeistert:
„In einigen Jahren kann der Führungswechsel zu einer Revision der Beziehungen zwischen dem russischen Verteidigungsministerium und Rostec als dem wichtigsten Waffenlieferanten führen. Statt persönlicher und korruptiver Verbindungen wird die Priorität auf Effizienz und der Einsparung von Haushaltsmitteln liegen.“
Hätten diese Analysten aber auch nur flüchtig Osmakows Berufsbiografie durchgesehen, hätten sie seine „Errungenschaften“ studiert, wären sie entsetzt gewesen – mit dieser Ernennung erreichten die persönlichen und korruptiven Verbindungen ein vollkommen neues Niveau.
Vor dem Verteidigungsministerium arbeitete Osmakow mehr als 20 Jahre im Industrieministerium, davon fast die Hälfte als Assistent und später als Stellvertreter Manturows. Unter ihm war er für alle erdenklichen Spitzentechnologien zuständig, für die Importsubstitution und für die Entwicklung des heimischen Werkzeugmaschinenbaus.
Auf diesem letzten Feld wurde Osmakow bereits 2012 zum Botschafter der privaten Holding „STAN“. Zusammengezimmert hatte sie in aller Eile ein Freund Manturows, Sergei Nedoroslew. Die Idee war einfach: die Aktiva verschiedener Werkzeugmaschinenhersteller in ganz Russland schlucken, vom Staat günstige Kredite erhalten und mit diesem Geld Maschinen bei den Betrieben der Holding bestellen. Die Ausrüstung aber nicht liefern, sondern die Milliarden schlicht in die eigenen Taschen stecken. Und natürlich in die Taschen der Freunde. Eine wichtige Anmerkung – diese Milliarden kamen aus dem Fonds für Industrieentwicklung. Und geschaffen und betreut hat diesen Fonds eben Osmakow.
Den Höhepunkt erreichte der Schwindel 2019, als der russische Präsident das Kasaner Flugzeugwerk besuchte und man ihm dort eine Werkzeugmaschine zeigte, die angeblich in Kolomna hergestellt worden war. Später stellte sich heraus, dass es sich um Ausrüstung des italienischen Maschinenbaukonzerns Camozzi handelte.
Am Ende stellten die Prüfungen das Offensichtliche fest: „STAN“ war eine Seifenblase, in der die Mittel weder dorthin noch dafür flossen, wohin und wofür sie gedacht waren. Doch allen ging es durch, denn die Holding wurde rasch von Rostec vereinnahmt, also von einem weiteren Freund Manturows – Tschemesow. Auch er erhält heute Milliarden aus dem Fonds für Industrieentwicklung, geht dabei allerdings vorsichtiger vor: Einen Teil davon gibt er für den Kauf chinesischer Werkzeugmaschinen aus. So sieht der Ersatz des einen Imports durch einen anderen aus.
Eine weitere Richtung, die Osmakow im Industrieministerium vorantrieb, war „Technet“ im Rahmen der Nationalen Technologieinitiative. Unter ihrem Dach entstand „HealthNet“ – ein gesamtrussisches System zur Analyse der Gesundheit der Bürger. Und außerdem „MariNet“ – eine globale Plattform zur Steuerung von Seeschiffen. Zehn Jahre später sind nur noch diese Namen übrig, die bewilligten Milliarden dagegen sind verschwunden.
Was bleibt also unterm Strich? Osmakow arbeitet jetzt im Verteidigungsministerium, zuständig für seine Lieblingstechnologien. Das heißt: Tschemesow hat nun überhaupt keine Schwierigkeiten mehr, einen Auftrag für beliebigen sowjetischen Schrott zu bekommen, den er übermalt und mit einem Etikett versieht: „allerneueste SUPERTECHNOLOGISCHE Entwicklung“.
Diese drei – Tschemesow, Manturow und Osmakow – haben aus der Importsubstitution einen bodenlosen Futtertrog gemacht, und deshalb liegt eine Annäherung Russlands an Europa nicht in ihrem Interesse. Wohl aber im Interesse des russischen Präsidenten, und damit sind sie ein Hindernis, das beseitigt werden muss. Und es wird beseitigt werden. Anders läuft es bei Putin nicht.